Tod und Todesängste

Zwischen der Ferne des Himmels und der Nähe der Hölle, deren schreckliche Pforte von den Boten des Himmels geöffnet werden konnte, konnte der sündige Gläubige mit dem Fegefeuer rechnen, jenem dritten Ort in der Geographie des Jenseits, vorgestellt als Leidenstadium auf Zeit zum Verbüßen der irdischen Verfehlungen. Die theologische Konzeption des Fegefeuers, das die Volksfrömmigkeit schon lange gekannt hatte, erfolgte erst im 12. und 13. Jahrhundert. Sie differenzierte die Pluralität von Himmel und Hölle und stellte dabei eine Lösung für einige theologische Probleme dar, die sich mit Blick auf das Gemisch von Gut und Böse der menschlichen Taten und die schwer zu verstehende Gnadentätigkeit Gottes ergeben hatten.

Ein_Engel_versperrt_die_Pforten_der_Unterwelt_mit_einem_Schlüsel

Der Glaube an das Fegefeuer entstand vielleicht auch aus einer Unsicherheit: die Evangelien sprechen sowohl von einem Gericht am Ende aller Zeiten, nach der Wiederkunft Christi, als auch von Strafen für die Sünder und von Belohnung für die Gerechten, die den verstorbenen unmittelbar nach deren Tod erwarten. Die theologische Auffassung von einer Art Schlaf, in der Verstorbene bis zur Wiederkunft des Herren am jüngsten Tag sinkt, scheint die Menschen nicht befriedigt zu haben. Da lag ihnen die Vorstellung vom Fegefeuer, in dem – wie auf Erden – nicht ohne Hoffnung gelitten wurde, in dem also etwas zu ihrem Heil geschah, schon näher. Die Konstruktion eines solchen Zwischenreich passte im übrigen besser zu der Vorstellung von der Tätigkeit der Heiligen am göttlichen Richterstuhl. Sie, die bereits Erlösten und ins Himmelreich Aufgenommenen, wurden als Vermittler zwischen Gott und den Menschen angesehen, als Fürsprecher für die noch zu richtenden oder zur vorübergehend bestraften, aber nicht endgültig verdammten Seelen.

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Piruzan

Siehe! Ich bin meiner Weisheit überdrüssig, wie die Biene, die des Honigs zuviel gesammelt hat, ich bedarf der Hände, die sich ausstrecken. Ich möchte verschenken und austeilen, bis die Weisen unter den Menschen wieder einmal ihrer Torheit und die Armen wieder einmal ihres Reichtums froh geworden sind. Dazu muss ich in die Tiefe steigen: wie du des Abends tust, wenn du hinter das Meer gehst und noch der Unterwelt Licht bringst, du überreiches Gestirn!

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